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Der Ursprung der Mafia
August 22nd, 2009
© Barney O´Fair / PIXELIO
Im Anschluss wurden „Gabellutti“ von den Großgrundbesitzern als Verwalter der jeweiligen Ländereien eingesetzt. Wie sich später herausstellte, hatten die meisten dieser vermeintlichen Verwalter einen kriminellen Hintergrund und wollten die ohnehin schon armen und hilflosen Bauern ausbeuten, indem sie rücksichtslos überhöhte Pachtzinsen eintrieben. Die Situation nahm ein erschreckendes Ausmaß an, als die „Gabellutti“ mit den Jahren so mächtig wurden, dass sie die Landadligen entmachteten. Daraufhin übernahmen die kriminellen Anführer die Herrschaftsrechte, um selbst uneingeschränkt regieren zu können. Die Mafia war geboren!
Hauptsächlich waren die „Gabellutti“ in den Bereichen Entführung und Schutzgelderpressung tätig. Sie forderten enorm hohe Lösegeldsummen, die sie in der Regel auch bekamen. Eine ganze Zeit lang schien es so, als wenn keiner etwas gegen die immer mächtiger werdenden kriminellen Führungspersonen tun würde. Erst die Mussolinis konnten einen ersten kleinen Erfolg verbuchen, als sie den Einfluss der Mafia auf Sizilien zurückdrängten. Außerdem musste man mit schlimmen Repressalien rechnen, wenn man im Zeitraum der faschistischen Diktatur der sogenannten „ehrenwerten Gesellschaft“ angehörte. Nachdem die Mafia vorerst mehr oder weniger außer Gefecht gesetzt war, half ironischerweise Amerika nach dem Zweiten Weltkrieg, die kriminelle Organisation wieder zu stärken. Vonseiten Amerikas wurden Personen wie zum Beispiel Lucky Luciano im Krieg als Spitzel eingesetzt. Aber auch andere, in den USA inhaftierte Mafiosi wurden von den Amerikanern abgestellt, um an weitere geheime Informationen zu gelangen. Als der Krieg dann endlich beendet war, erhielten die Verbrecher hochrangige Führungspositionen in der Militärregierung. Die konservative christdemokratische Partei „Democrazia Cristiana“ störte das nicht weiter, da sich die Partei im Kampf gegen den Kommunismus auf die Unterstützung der Mafia verlassen konnte. Der Ehrenkodex der Mafia beruht auf der Schweigepflicht oder auch Omerata genannt.
Die Mafia wird, abhängig vom jeweiligen Land, unterschiedlich bezeichnet. Auf der Ursprungsinsel Sizilien heißt die Mafia zum Beispiel Cosa Nostra. In Neapel dagegen herrscht die Camorra und in Kalabrien die „Ndrangheta“. Die Mafia war von Anfang an eine gut strukturierte, wenn auch kriminelle Organisation mit ausgeklügelten Taktiken. Das wird zum Beispiel dadurch ersichtlich, dass die Mitglieder der Mafia stets anonym bleiben. Wer Mitglied der Mafia werden wollte, musste zuerst quasi einen Eid leisten, der besagte, dass man der Organisation stets treu bleiben und die Führungspersonen niemals verraten werde. Darüber hinaus musste man schwören, dass man stets tun werde, was man gesagt bekommt, ohne irgendwelche Fragen zu stellen. Damals gab es nicht nur eine kriminelle Organisation, sondern viele, der Mafia ähnliche Organisationen. Die Ziele der unterschiedlichen kriminellen Gruppen waren nicht besonders unterschiedlich, denn im Grunde verfolgten alle das Ziel der Entführung und der Schutzgelderpressung. Bis heute ist allerdings nur die größte kriminelle Organisation bestehen geblieben, die Mafia. Derartige Organisationen wie die Mafia wurden damals auch Bruderschaften genannt. Das Symbol der Mafia ist übrigens ein Kreuz mit Schwert.
Wie der damalige „Mafia-Chef“ meint, ist das Gesetz eine eiserne Garantie, die greifen muss. Damit sie dies tut, gibt es nur eine einzige Waffe, den Terror. Die Bruderschaften trafen sich vorrangig an sakralen Stellen, die natürlich streng geheim und über die ganze Insel verstreut waren. Diese sakralen Orte waren in der Regel dunkel und angsteinflößend, also ideal für die dunklen Zeremonien der Mitglieder. Diese Stellen waren für die Mitglieder genau richtig für Urteilsvollstreckungen oder Gerichtsverhandlungen abseits der Öffentlichkeit. Die Mitglieder konnten dort ungehindert sämtliche Bräuche durchführen und lebten praktisch in ihrer eigenen kleinen Welt. Viele Historiker haben in der vergangenen Zeit versucht, die Bruderschaften bis hin zum Ursprung zurückzuverfolgen. Die Mafia-Bosse hielten davon allerdings wenig und ordneten die Ermordung dieser Historiker an. Schnell hat man aufgehört, negativ über die Mafia zu sprechen und zu spekulieren, sodass die Organisation immer mächtiger werden konnte. Man könnte sich zum heutigen Zeitpunkt die Frage stellen, warum die Mafia innerhalb so kurzer Zeit derartig viele Anhänger gewonnen hat. Das liegt wahrscheinlich daran, dass die damaligen Führungspersonen der Mafia denjenigen Versprechen gegeben haben, die Interesse bekundeten, der Gruppe beizutreten. Es soll den neuen Mitgliedern zum Beispiel versprochen worden sein, dass sie Wohlstand und Ansehen erwartet, wenn sie der kriminellen Organisation beitreten. Die Menschen haben gelernt, mithilfe von Unterdrückung und Gewalt Ziele zu erreichen. Auf diese Weise hat es die Mafia geschafft, sich innerhalb Siziliens von Küste zu Küste auszubreiten. Auch heute gilt Sizilien noch als Heimat der Mafia. Vor einigen Jahrzehnten versuchte der faschistische italienische Staatschef erfolglos, die Mafia auszurotten. Das Gegenteil geschah jedoch: Der Mafia gelang es, wegen des damaligen Staatschefs von Italien auf der ganzen Welt Fuß zu fassen. Dies war möglich, da er erfolgreich versuchte, die Mafia aus seinem Land zu verjagen und als die Mafia-Bosse dann ohne Unterkunft dastanden, siedelten sie sich in vielen Teilen der Welt an, von wo aus sie noch bis heute aktiv sind.
Damals, etwa im Jahr 1940, wurde über eine Zusammenarbeit zwischen der amerikanischen Armee und der Mafia gesprochen. Dazu trafen sich die beiden Seiten im selben Jahr zu einem Gipfeltreffen. Im Juli 1943 konnten die Alliierten die Heimatinsel der Mafia, Sizilien, erfolgreich erobern. Dazu war es noch nicht einmal nötig, Gewalt anzuwenden, da die Mafia-Bosse ein effizientes Spionagenetz aufgebaut hatten. Der Schutz der amerikanischen Regierung verhalf der Cosa Nostra, direkt ins Herz des Regierungssystems von Italien vorzudringen. Dies war der erste Schritt, um auch in Europa die Mafia erfolgreich zu positionieren. Es dauerte nicht lange, bis die Cosa Nostra, also die Mafia, in Italien die Macht übernahm. Die Mafia war natürlich froh, in einem solchen Land uneingeschränkt regieren zu können, und erhoffte sich weitere Vorteile bei der Ausbreitung auf der ganzen Welt, vor allem aber in Europa. Eine schreckliche Tragödie ereignete sich, als ein Mafiakiller am 1. Mai 1947 mit einem Trupp auf einen Berg stieg und das Feuer auf eine Menschenmenge eröffnete. Dabei soll es sich größtenteils um Bauern gehandelt haben. Der Mafiakiller wurde anschließend von seinen eigenen Leuten verraten und später auch ermordet.
Im Laufe der darauffolgenden zehn Jahre erkannten die amerikanischen und sizilianischen Familienoberhäupter die Problematik und riefen zu einer Gipfelkonferenz. Dadurch erhoffte man sich, die angespannte Lage in den eigenen Reihen der Mafia zu beruhigen. Die Stadt Corleone erlangte jahrzehntelang traurige Berühmtheit, da dort zahlreiche Morde der Mafia durchgeführt wurden. Aber auch, weil der bekannteste Boss der Mafia aus diesem Ort stammt, ist diese Stadt so berühmt. Momentan ist der wohl gefürchtetste Verbrecher aller Zeiten im Gefängnis und sitzt seit den 70er-Jahren eine lebenslange Freiheitsstrafe ab. Als er noch auf freiem Fuß war, organisierte er vermutlich die gesamten kriminellen Akte der Organisation.
Leider hat es die Mafia geschafft, als kriminelle Organisation jahrhundertelang zu überleben. Damals wie heute wird vermutet, dass die vielen Mitglieder der Mafia noch aktiv sind und Schutzgeld erpressen bzw. Erpressungen durchführen.
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